Die Entwicklung des ÖPNV in Deutschland nach COVID-19

Von | Dienstag, 9. April 2024

Herausforderungen und Hoffnungen

Seit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 hat der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in Deutschland eine turbulente Zeit durchlebt. Die jüngsten Daten für das Jahr 2023 zeigen, dass sich die Passagierzahlen zwar erholt haben, jedoch noch immer unter dem Niveau vor der Pandemie liegen. Diese Entwicklung wirft ein Licht auf die komplexen Herausforderungen, mit denen der ÖPNV konfrontiert ist, und verdeutlicht die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Unterstützung dieser wichtigen Infrastruktur.

Eine Straßenbahn in der Münchner Maximilianstraße mit Blick auf den bayrischen Landtag.
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Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes stiegen die Passagierzahlen im ÖPNV im Jahr 2023 um etwa 15% im Vergleich zum Vorjahr [1]. Trotz dieses Anstiegs bleiben die Zahlen jedoch immer noch unter dem Niveau von 2019, dem letzten Jahr vor dem Ausbruch von COVID-19. Im Jahr 2019 wurden insgesamt 11,3 Milliarden Fahrgäste im ÖPNV befördert [2], während die Zahlen im Jahr 2023 noch unter diesem Wert liegen.

Eine Reihe von Faktoren hat zu dieser Entwicklung beigetragen. Ein wichtiger Aspekt ist die demografische Veränderung in der Bevölkerung Deutschlands. Mit einer steigenden Anzahl älterer Menschen, die in den Ruhestand treten, und einer geringeren Geburtenrate gibt es weniger Pendler und potenzielle Fahrgäste im erwerbsfähigen Alter. Auch bei den Verkehrsunternehmen gibt es diese Entwicklung. Es geht mehr Personal in den Ruhestand, als neues Personal hinzugewonnen wird. Dieser Trend wird voraussichtlich in den kommenden Jahren anhalten [3].

Darüber hinaus hat die Pandemie das Arbeitsleben grundlegend verändert. Viele Unternehmen haben flexible Arbeitsmodelle eingeführt, die es den Mitarbeitern ermöglichen, von zu Hause aus zu arbeiten. Dies hat zu einem Rückgang der Pendlerfrequenz geführt, da weniger Menschen täglich zur Arbeit pendeln müssen. Obwohl sich einige Arbeitsplätze wieder in Richtung Büroarbeit bewegen, ist die Nachfrage nach öffentlichen Verkehrsmitteln noch nicht auf das Vor-Corona-Niveau zurückgekehrt [4].

Ein weiteres besorgniserregendes Phänomen ist die zunehmende Aggressivität gegenüber dem Personal im öffentlichen Verkehr. Berichte über verbale oder sogar physische Übergriffe auf Busfahrer und Zugbegleiter haben zugenommen, was dazu führt, dass viele potenzielle Fahrgäste sich unsicher fühlen und alternative Transportmittel in Betracht ziehen [5].

Die genannten Gründe sind nur einige der komplexen Faktoren, die die Rückkehr zu den Passagierzahlen vor der Pandemie behindern. Es gibt sicherlich weitere Aspekte wie die Verfügbarkeit von Alternativverkehrsmitteln, die Attraktivität des ÖPNV-Angebots sowie finanzielle und infrastrukturelle Herausforderungen.

Trotz dieser Hindernisse gibt es auch Hoffnungsschimmer für die Zukunft des ÖPNV. Investitionen in die Modernisierung und den Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes, kombiniert mit Maßnahmen zur Steigerung der Sicherheit und Attraktivität für Fahrgäste, könnten dazu beitragen, die Nachfrage wieder anzukurbeln. Es ist wichtig, dass Regierungen, Verkehrsbetriebe und die Gesellschaft insgesamt zusammenarbeiten, um den ÖPNV als nachhaltige und effiziente Mobilitätslösung zu stärken.

Quellen:

[1] Statistisches Bundesamt – https://www.destatis.de/
[2] Statistisches Bundesamt – https://www.destatis.de/
[3] Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung – https://www.bib.bund.de/
[4] Deutscher Verkehrsverband – https://www.dvov.de/
[5] Verband Deutscher Verkehrsunternehmen – https://www.vdv.de/

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